Trauerring (Memorialring)
Ein Trauerring - auch Memorialring oder Mourning Ring genannt - ist ein Fingerring, der das Andenken an eine verstorbene Person trägt, meist in Form einer Inschrift, eines Bildes, einer Haarlocke oder eines Fingerabdrucks.
Verfasst von Dr. Helene Vasall
Ein Trauerring - auch Memorialring oder Mourning Ring genannt - ist ein Fingerring, der das Andenken an eine bestimmte Person trägt: durch eine Inschrift, ein eingelegtes Bild, eine Haarlocke unter Bergkristall oder, in den letzten Jahrzehnten zunehmend, einen in Gold geschnittenen Fingerabdruck. Die Form ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und hat alle Stilbrüche überdauert - kein anderer Schmuck wird so beharrlich getragen.
Anlässe und Träger
Anders als der Ehering markiert der Trauerring keinen vertraglichen Anfang, sondern eine Bindung über das Ende hinaus. Drei Anlässe sind häufig:
- Der klassische Trauerring nach einem Todesfall, oft mit Sterbedatum, Initialen oder einer Locke der verstorbenen Person.
- Der Erinnerungsring zu Lebzeiten, ausgetauscht innerhalb einer Familie oder eines Paares - typisch ist hier das gegenseitige Abnehmen der Fingerabdrücke.
- Der Vermächtnisring, von der verstorbenen Person schon zu Lebzeiten in Auftrag gegeben und über das Testament an namentlich genannte Personen ausgegeben. Diese Praxis war im 18. Jahrhundert verbreitet und kehrt heute, in kleinerem Maßstab, zurück.
Getragen wird der Ring häufig am kleinen Finger oder am Mittelfinger der rechten Hand; eine Vorschrift dafür gibt es nicht.
Personalisierungspfade
Fünf Pfade dominieren die heutige Praxis. Sie schließen sich nicht aus - viele Stücke kombinieren zwei davon.
- Fingerabdruck - der individuelle Linienverlauf einer bestimmten Person, abgenommen mit einer Folie oder einem Silikonpad und per Laser in die Ringschiene geschnitten. Innen oder außen gefasst, in Vertiefung oder leicht erhaben. Funktioniert auch bei Verstorbenen, wenn der Abdruck noch zu Lebzeiten oder kurz nach dem Tod genommen wurde. Siehe Fingerabdruck-Schmuck.
- Gravur - innen oder außen, in Versalien, in einer historischen Schreibschrift, oder als abfotografierte Handschrift der erinnerten Person. Klassische Inschriften: Initialen, Datum, ein einzelnes Wort, gelegentlich ein Vers; siehe Personalisierung durch Gravur.
- Haararbeit - eine kleine Locke unter einem Bergkristall-Cabochon oder als feine Fadenflechtung in einer Hohlfassung. Die Technik geht direkt auf das 18. und 19. Jahrhundert zurück; siehe Haararbeit.
- Asche - eine sorgfältig dosierte Prise in einer dicht verschlossenen Kapsel, häufig unter einem Cabochon oder hinter einer geschraubten Platte.
- Erinnerungsdiamant - ein aus dem Kohlenstoff von Asche oder Haar gezüchteter Stein, der als zentraler Fassungsstein dient. Siehe Erinnerungsdiamant.
Material und Machart
Klassisch ist Gold, oft in Gelb- oder Roségold, weil es sich gut gravieren und mit Email kombinieren lässt. Silber war im 19. Jahrhundert die bürgerliche Variante und ist heute wieder häufiger. Für Fingerabdruck-Schiften eignet sich jedes weiche Edelmetall; bei Platin ist die Laserarbeit anspruchsvoller, aber langlebiger. Bei Stücken mit Hohlfassung - für Haar oder Asche - sind die Verschlüsse (geschraubt, gefasst, geklebt) entscheidend für die Lebensdauer.
Geschichte und Verbreitung
Der Trauerring ist eine der ältesten europäischen Erinnerungsformen. Schon im England der Georgianischen Epoche (1714–1837) ließ man im Testament häufig ein bis zwei Dutzend Ringe anfertigen und an benannte Personen verteilen, mit Inschriften wie In Memory of oder den lateinischen Verkürzungen Obt. (für obiit, „sie verstarb“) und dem Datum. Die Viktorianische Epoche (1837–1901) standardisierte das Genre: schwarzes Email mit Goldkordel, ein Glaskompartiment für eine Haarlocke, der Name als Monogramm auf dem Ringkopf. Mit dem 20. Jahrhundert verschwand die ritualisierte Form, der Anlass blieb - und mit ihm der Wunsch nach einem Ring, der eine bestimmte Person trägt.
Symbolik und Bedeutung
Der Ring ist ein geschlossener Kreis, und genau das war seine Bedeutung im Kontext der Trauer: eine Bindung, die der Tod nicht zerteilt. Anders als ein Anhänger, der sich abnehmen und ablegen lässt, wandert ein Ring mit. Die Memento mori-Tradition hat das früh erkannt - die ältesten erhaltenen Trauerringe zeigen Totenköpfe und die Inschrift Memento mori auf der Innenseite, lesbar nur für die tragende Person.
Siehe auch: Fingerabdruck-Anhänger, Fingerabdruck-Schmuck, Personalisierung durch Gravur, Haararbeit, Erinnerungsdiamant, Georgianische Epoche (1714–1837), Memento mori
Fragen rund um diesen Eintrag
- Was unterscheidet einen Trauerring vom Verlobungsring?
Ein Trauerring trägt fast immer einen Verweis auf eine bestimmte Person: ein Datum, einen Namen, ein Monogramm, eine Locke, einen Fingerabdruck. Verlobungsringe sind nach vorn gerichtet, Trauerringe zurück.
- Trägt man einen Trauerring an einem bestimmten Finger?
Eine verbindliche Regel gibt es nicht. Historisch wurde er häufig am kleinen Finger oder am Mittelfinger der rechten Hand getragen, um ihn vom Ehering zu unterscheiden. Heute entscheidet das eigene Empfinden.
- Kann ein Fingerabdruck-Ring auch zu Lebzeiten angefertigt werden?
Ja. Das ist sogar die häufigste Variante: ein Paar nimmt jeweils den Abdruck des anderen ab und lässt ihn in einen Ring schneiden. Erst der Anlass - Trauer, Liebe, Erinnerung an einen Lebensabschnitt - gibt dem Stück seine Bedeutung.
Weiterführende Literatur
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