Materialien

Elfenbein

Elfenbein war im 17.–19. Jahrhundert ein wichtiges Material für Memento-Mori-Schnitzereien, geschnitzte Trauer-Anhänger und Miniaturporträts auf Anhängerfassungen - heute ist sein Einsatz durch das CITES-Artenschutzabkommen weltweit streng reglementiert, der Markt verlagert sich auf historische Stücke und Ersatzmaterialien wie Mammut-Elfenbein oder Tagua-Nuss.

Verfasst von Dr. Helene Vasall

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Elfenbein war im europäischen Schmuck-Kontext bis ins 19. Jahrhundert ein bedeutendes Material, insbesondere für Memento-Mori-Schnitzereien (siehe Memento mori), für Miniaturporträts auf Anhängern und für helle Akzente im Trauer-Schmuck. Heute ist sein Einsatz durch das internationale Artenschutzabkommen CITES (1973) streng reglementiert; der Markt verlagert sich auf historische Stücke (Antiquitäten) und auf alternative Materialien (Mammut-Elfenbein aus arktischen Funden, Tagua-Nuss). In der modernen Erinnerungs-Schmuck-Sparte spielt Elfenbein praktisch keine Rolle mehr - die rechtliche Situation und die ethische Bewertung sprechen klar gegen den Einsatz.

Material und Eigenschaften

Elfenbein ist Dentin - die Hauptsubstanz von Säugetierzähnen. Im engeren Sinn meint der Begriff:

  • Elefanten-Elfenbein - von afrikanischen und asiatischen Elefanten; historisch das wichtigste Material
  • Mammut-Elfenbein - aus subfossilen Stoßzähnen aus dem arktischen Permafrost; alterungsmäßig 10.000–50.000 Jahre alt, CITES-frei
  • Walross-Elfenbein - kleinere Eckzähne, im hohen Norden traditionell genutzt
  • Nilpferd-Elfenbein - Eckzähne, härter als Elefanten-Elfenbein, weniger maserig

Eigenschaften:

  • Härte: ca. 2,5–3,5 auf der Mohs-Skala - bearbeitbar mit feinen Werkzeugen
  • Dichte: 1,7–2,0 g/cm³ - schwerer als Wasser
  • Farbe: cremeweiß bis hellgelb, mit der Zeit nachdunkelnd zu Honig-Tönen
  • Maserung: charakteristische Schreger-Linien-Muster im Querschnitt
  • Empfindlichkeit: hygroskopisch (reagiert auf Feuchtigkeit), kann reißen bei zu trockener Luft

Geschichte im Trauer-Schmuck

Antike bis Mittelalter. Elfenbein-Anhänger sind seit der Antike bekannt; mittelalterliche Reliquiare (siehe Reliquienanhänger) und Pilgerzeichen wurden teils aus Elfenbein gefertigt. Im 12. und 13. Jahrhundert entstehen in Paris große Werkstätten für religiöse Elfenbein-Schnitzereien - Madonnen, Kreuze, Andachtsanhänger.

Renaissance und Barock (siehe Barock (ca. 1600–1750)). Hochphase der Memento-Mori-Schnitzkunst in Elfenbein. Süddeutsche und niederländische Werkstätten (vor allem Augsburg, Nürnberg, Antwerpen) fertigen feinste Schädel-Anhänger, kleine Sarg-Modelle mit Schiebedeckel und ganzfigurige Skelett-Figürchen - alle in Elfenbein, oft kombiniert mit Goldfassungen und Edelsteinen.

Eine besondere Spezialität: Kopf-und-Schädel-Anhänger - eine Halbkugel zeigt ein lebendes Gesicht, die andere Halbkugel einen Schädel; das Stück wird beim Schwenken umschlagbar und macht die Memento-Mori-Botschaft anschaulich („Was ich bin, warst du; was ich werde, wirst du sein“).

Georgianisch und Sentimental (siehe Georgianische Epoche (1714–1837), Sentimentalschmuck). Elfenbein wird zum Standard-Bildträger für Miniaturporträts auf Trauer- und Andenken-Anhängern. Eine kleine Elfenbein-Platte (ca. 3 × 4 cm) wird vom Miniaturmaler mit feinen Wasserfarben porträtiert; das fertige Bild wird in eine Goldhohlfassung eingelegt und mit Bergkristall-Sichtfenster verschlossen. Auf der Rückseite oft eine Haarlocke unter Glas (siehe Haararbeit).

Viktorianisch (1837–1901, siehe Viktorianische Epoche (1837–1901)). Mit dem Aufkommen der Fotografie verliert die Elfenbein-Miniatur an Bedeutung. Im Trauerschmuck wird Elfenbein zum Akzent-Material - kleine Elfenbein-Reliefs auf Schwarz-Email-Anhängern, geschnitzte Elfenbein-Köpfchen als zentrales Element in Brosche oder Anhänger. Die intensive Nutzung führt parallel zur dramatischen Reduzierung der Elefanten-Population in Afrika und Indien.

20. Jahrhundert. Die ersten Schutzbestimmungen entstehen 1947 (frühe Antiquitäten-Grenze) und 1973 (CITES). Heute ist neuer Elfenbein-Handel in den meisten Ländern verboten oder stark eingeschränkt.

Verarbeitungstechniken

Historische Elfenbein-Bearbeitung folgte mehreren Techniken:

Schnitzen. Mit feinen Eisenwerkzeugen, später mit Dental-ähnlichen Mikro-Werkzeugen. Erlaubte sehr feine Detailarbeit - Augenlider, Gesichtsfalten, Schädelnähte, kleinste Inschriften.

Drechseln. Auf der Drehbank konnten dünne Elfenbein-Scheiben gefertigt werden, die als Bildträger oder als Cabochon-Ersatz verwendet wurden.

Gravieren. Mit feinen Stichelen wurden Inschriften, Symbole und kleine Bilder in die Oberfläche eingebracht. Die Linien wurden anschließend mit Tinte oder Russ eingerieben, um den Kontrast zu erhöhen.

Einlegen. Kleine Elfenbein-Stücke wurden in Holz- oder Metallrahmen eingelegt - etwa als helle Akzente in dunklen Trauer-Anhängern.

Bemalen. Glatt polierte Elfenbein-Platten bildeten den Bildträger für Miniaturmalereien - die wichtigste Trauer-Schmuck-Anwendung im 18. und 19. Jahrhundert.

Rechtlicher Status heute

Der internationale Elfenbein-Handel ist durch das CITES-Abkommen seit 1973 streng reguliert. Wichtige Punkte:

  • Vor 1947: gefertigte Stücke sind „pre-Convention“ und mit Antiquitäts-Nachweis legal handelbar
  • 1947–1990: Stücke benötigen eine EU-Vermarktungsbescheinigung (Artikel 10)
  • Nach 1990: kein legaler EU-interner Handel
  • Mammut-Elfenbein: nicht CITES-geschützt, frei handelbar - wichtigste legale Alternative
  • Walross-Elfenbein: in einigen Ländern (USA, Kanada) reglementiert

Beim Erbe historischer Elfenbein-Stücke (Großeltern, Urgroßeltern) ist die rechtliche Lage meist unkritisch - Familienbesitz ohne Verkaufsabsicht ist nicht reglementiert. Bei Verkauf oder bei Auktionen ist eine Begutachtung mit Schreger-Linien-Bestimmung und Altersnachweis erforderlich.

Alternative Materialien

Mehrere Materialien werden heute als Elfenbein-Alternative verwendet:

Mammut-Elfenbein. Subfossiles Material aus dem arktischen Permafrost, vor allem Sibirien und Alaska. Optisch fast identisch mit Elefanten-Elfenbein, oft mit dunkleren Honig-Tönen. CITES-frei, voll legal. Preis: etwa 50–150 €/kg im Rohzustand.

Tagua-Nuss („Steinnuss“). Frucht der südamerikanischen Phytelephas-Palme; nach dem Trocknen sehr hart und in Farbe und Maserung dem Elfenbein ähnlich. Ökologisch unbedenklich, sehr günstig. Wird heute vor allem für Knöpfe und kleine Schnitzereien verwendet.

Bone (Knochen). Wesentlich poröser, weniger fein bearbeitbar, aber preiswert und unproblematisch. Für volkstümliche Schnitzereien akzeptabel.

Kunstharze. Diverse Kunstharze imitieren Elfenbein-Optik. Optisch oft erkennbar (keine Schreger-Linien, andere Lichtbrechung), aber praktisch für Bühnenschmuck und Imitate.

Elfenbein im modernen Erinnerungs-Markt

Im aktuellen Erinnerungs-Schmuck-Markt spielt Elfenbein keine relevante Rolle:

  • Antike Stücke (Vor-1947, mit Nachweis) sind als Sammler-Objekte handelbar; sie werden gelegentlich in moderne Erinnerungs-Fassungen integriert (Goldfassung um ein historisches Elfenbein-Medaillon)
  • Neue Stücke aus Elefanten-Elfenbein sind in der EU nicht legal herstellbar
  • Mammut-Elfenbein-Stücke sind eine kleine Nische, vor allem für historisierende Restaurations-Kontexte
  • Tagua-Nuss-Stücke sind ökologisch und ethisch unproblematisch und werden gelegentlich als Material für Andenken-Anhänger angeboten

In der heutigen Erinnerungs-Schmuck-Praxis wird die historische Position des Elfenbeins (als feiner Bildträger und als helles, kontrastierendes Material) durch Perlmutt, helle Süßwasserperlen oder weiße Emails übernommen.

Pflege historischer Elfenbein-Stücke

Antike Elfenbein-Stücke sind empfindlich:

  • Luftfeuchtigkeit konstant halten (40–55%) - zu trockene Luft führt zu Rissen
  • Keine direkte Sonneneinstrahlung - UV beschleunigt die Vergilbung
  • Keine Lösungsmittel (Alkohol, Aceton, Ammoniak) - greifen die Dentin-Struktur an
  • Reinigung nur mit weichem, leicht feuchtem Tuch; bei stärkerer Verschmutzung Restaurator konsultieren
  • Lagerung in saurefreier Verpackung, niemals in PVC-haltigen Tüten

Bei historischen Erinnerungs-Anhängern mit Elfenbein-Miniaturporträt ist besondere Vorsicht geboten - die Wasserfarben-Bemalung ist extrem empfindlich gegen Feuchtigkeit. Solche Stücke sollten nie geöffnet, nie gereinigt und idealerweise nur bei kontrollierter Luftfeuchtigkeit aufbewahrt werden.

Häufige Fragen

Fragen rund um diesen Eintrag

Darf man Elfenbein-Schmuck heute noch kaufen oder verkaufen?

Nur unter strengen Bedingungen. Das CITES-Abkommen (Convention on International Trade in Endangered Species, 1973) verbietet den Handel mit modernem Elefanten-Elfenbein weitgehend. In der EU gilt eine Antiquitäts-Ausnahme: Stücke, die nachweislich vor 1947 gefertigt wurden, dürfen mit Nachweis (Vor-1947-Bescheid) gehandelt werden. Stücke zwischen 1947 und 1990 benötigen eine EU-Bescheinigung. Mammut-Elfenbein (aus arktischen Funden) ist ungeschützt und frei handelbar - eine wichtige legale Alternative für Restaurations- und Sammlungs-Kontexte.

Was sind Schreger-Linien?

Charakteristische Kreuzungs-Linien-Muster, die im Querschnitt von Elefanten- und Mammut-Stoßzähnen sichtbar werden. Sie entstehen durch die radialen Dentin-Kanälchen und unterscheiden Elfenbein eindeutig von Knochen, Hirschhorn oder Kunststoff-Imitaten. Bei Elefanten-Elfenbein liegen die Schreger-Winkel über 115°, bei Mammut darunter - eine forensisch sichere Unterscheidung, die in CITES-Begutachtungen verwendet wird.

Wofür wurde Elfenbein im Trauerschmuck verwendet?

Drei dominante Anwendungen. Memento-Mori-Schnitzereien - kleine Totenkopf-Anhänger, Skelett-Figürchen, Sarg-Miniaturen mit Schiebeklappe (siehe Memento mori). Miniaturporträts - als Trägermaterial für gemalte Porträts auf der Vorderseite von Trauer-Anhängern und -Medaillons. Elfenbein wurde gerne als Bildträger gewählt, weil die feine Oberfläche das Auftragen sehr präziser Wasserfarben-Miniaturen ermöglichte. Helle Gegenstücke zu schwarzen Trauer-Materialien - kleine Elfenbein-Akzente in Kontrast zu Jet- oder Schwarz-Email-Stücken, häufig in der Halbtrauer.

Quellen

Weiterführende Literatur

  • Elfenbein - Material, Form, Bedeutung - Sarah M. Guérin (2017)
  • Memento Mori - Death in Western Art - Karl Werckmeister (1990)
  • Sentimental Jewellery - Shire Library - Ann Louise Luthi (2007)
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